Was ist Polarity Therapie?

Polarity ist eine energetische Behandlungsmethode auf der Grundlage traditioneller Heilmethoden aus verschiedenen Kulturen. Sie wurde von Dr. Randolph Stone (1890 – 1981) in seiner 60jährigen therapeutischen Praxis entwickelt und bietet ein anschauliches und ganzheitliches Konzept, das den Körper, die Seele und den Geist umfasst.
Ihr Ziel ist es, Gesundheit zu erhalten und zu stärken, Störungen und Blockierungen im Energiefluss zu erkennen und aufzulösen und Hilfestellung zu leisten, um einen Zustand innerer Ordnung zu finden. Dafür werden verschiedene Methoden und Mittel eingesetzt. Im Zentrum steht die Polarity Körperarbeit mit ihren komplexen und vielfältigen manuellen Anwendungen. Bewegungs- und Dehnübungen fördern die Beweglichkeit und das muskuläre Gleichgewicht und aktivieren auf natürlich Art den Energiefluss im Körper. Ernährungsempfehlungen und die von Dr. Stone entwickelte spezielle Reinigungsdiät fördern das Ausscheiden von Toxinen. Außerdem wird auf eine gut verträgliche Kombination der Lebensmittel geachtet und auf deren energetische Wirkung. Die Polarity Therapie findet ein weites Anwendungsgebiet und kann unterstützend in andere Therapieformen integriert werden. Durch das hohe Maß an Entspannung, das jede Sitzung bewirkt eignet sich diese Methode sehr gut, um Stressfolgezuständen entgegen zu wirken. Polarity hilft also nicht nur bei Verspannungen, Schmerzen, Haltungsschäden etc., sie findet auch als vorbeugende Maßnahme für die Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden ihren Platz.

Theoretische Grundlagen

Dr. Stone vereinigte spirituelle, philosophische und medizinische Elemente aus östlichen und westlichen Heilmethoden in einem ganzheitlichen Ansatz.
Ayurveda, das traditionelle Heilsystem Indiens hat ihn dabei ebenso beeinflusst wie die chinesische Medizin und die alte ägyptische Heilkunde oder Hermetik.
Einige seiner Sichtweisen werden auf eindrückliche Art und Weise auch von modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen bestätigt.

Das Konzept der Energie

Polarity geht davon aus, dass Energie die Grundlage aller Erscheinungen ist, von der Idee bis hin zur physischen Verwirklichung.
Im menschlichen Körper manifestiert sich Energie als Gedanke, Empfindung, Gefühl oder Form. Ihr Ausdruck in der Welt der Formen beruht auf dem Wechselspiel gegensätzlicher Polaritäten und der daraus entstehenden Bewegung. Der materiellen Welt liegt ein Reich bestehend aus feinstofflichen Beziehungen, Energiefeldern und Strömungen zugrunde.

Der Physiker David Bohm fasste das Universum als ein unermessliches Hologramm auf, das zwei Aspekte zeigt: Der explizite oder entfaltete Aspekt betrifft den Bereich, der mit unseren Sinnen erfasst und mit unseren herkömmlichen Instrumenten gemessen werden kann. Hier hat die westlich orientierte Wissenschaft großartige Arbeit geleistet. Wir haben diesen Aspekt der Welt bis ins kleinste Detail zerlegt, vermessen und erforscht. Dabei wurde allerdings nur allzu oft der Blick für das Ganze verloren.
Der Teil der Welt, den Bohm als die implizite Ordnung bezeichnet hat, bildet aber eigentlich die Grundlage für alles, das explizit oder sichtbar wird. Er ist so etwas wie ein Unterbau in dem sehr komplexe und subtile Gesetze wirken, die wiederum in der Welt der Formen ihren Ausdruck finden.
Dr. Stone nannte eines dieser impliziten Gesetze das Polaritätsprinzip.

Das Polaritätsprinzip 

Das Polaritätsprinzip beruht auf der grundlegenden rhythmischen Pulsation, die allem Leben zu Grunde liegt. Leben ist Bewegung und beruht immer auf einer Beziehung zwischen Polaritäten, dies gilt für den Makrokosmos ebenso wie für den menschlichen Organismus als Mikrokosmos.

Abb.Dr.Stone, Polaritätstherapie, Tafel 12

Dr. Stone hat genaue Anleitungen und Landkarten erschaffen, mit deren Hilfe wir in der Körperarbeit Einfluss nehmen können auf die subtilen Energiemuster unseres Organismus. Wenn Energie zwischen den unterschiedlich geladenen Polen frei fließen kann, ist ein Zustand innerer Ordnung gegeben.
Wenn sich unsere Seele in der Welt frei entfalten und ausdrücken kann und wir das uns innewohnende Bedürfnis nach Verwirklichung und Entfaltung leben und durch eine angemessene und adäquate Lebensweise unterstützen, dann können wir von Gesundheit sprechen. Gesundheit in diesem Sinne bedeutet also nicht die Abwesenheit von Krankheit. Es ist ein Zustand innerer Harmonie, der unser körperliches, geistiges, seelisches und soziales Wohlbefinden betrifft.

Die Chakras

Die Chakras sind Energiezentren, die den gesamten Organismus mit Lebenskraft versorgen. Sie entstehen im feinstofflichen Körper als erste Kristallisation auf dem Weg der Energie von ihrer Urquelle in die Materie. Sie sind mit den Körperfunktionen über das endokrine System und die Nervengeflechte verbunden und geben feinste Energiewellen und Schwingungen in den Körper und die zugeordneten Organe ab. Ist diese Bewegung der Energie von ihrem Zentrum nach außen ungehindert mögich, so wird auch die Versorgung der damit verbundenen Bereiche optimal gegeben sein. Ein ausgewogenes Chakrasystem wirkt sich äußerst positiv auf das vegetative Nervensystem aus und führt zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit.

Die fünf Elemente

Die fünf Elemente verkörpern die festen, flüssigen, strahlenden, gasförmigen und ätherischen Formen der Materie, aus denen die äußere Erfahrungswelt, einschließlich des physischen Körpers, aufgebaut ist. Sie sind auf einer grob- und einer feinstofflichen Ebene vorhanden, nur ihre grobstoffliche Form ist für uns als Materie erfassbar.
Sie sind von unterschiedlicher Dichte, alle Manifestationen, auch das Bewusstsein, sind aus ihnen aufgebaut.
Die fünf Elemente bezeichnen die Eigenschaften der Energie, die von jedem Chakra ausgehen. Sie steuern den Aufbau und die Physiologie des Körpers und sind zugleich Ausdruck von Bewusstsein und dessen Eigenschaften in der Welt.
Das Element Äther steht für die vollkommene Handlungsfreiheit, für ein gänzlich feinstoffliches und empfangendes Medium, in dem sich die vier Elemente Luft, Feuer, Wasser und Erde manifestieren. Bewegt sich das Urelement Äther, so wird er zur Luft, die als Idee der Bewegung bereits im neutralen Raum enthalten ist. Bewegt sich die Luft, so entsteht Reibung und aus ihr, das Feuer. Verdichtet sich das Feuerelement, so entsteht Wasser und bei weiterer Verdichtung entsteht die Erde. Die fünf Elemente sind also lediglich verschiedene Dichtezustände eines einzigen großen Elements, des Äthers oder wie Dr. Stone es auch nannte der neutralen Urquelle.
Jedem Element werden bestimmte Organe, Körperteile und Funktionen zugeordnet, aber auch Verhaltensweisen, Emotionen und die Sinneswahrnehmung lassen sich nach den fünf Elementen einstufen.
In der praktischen Arbeit ergibt sich ein komplexes System von Kraftlinien, energetischen Beziehungen und Zusammenhängen.

Abb.Dr.Stone, Polaritätstherapie, Tafel 5

Dr. Stones Tafel der Involution beschreibt energetische Beziehungen zwischen bestimmten Körperzonen, die bereits im Mutterleib angelegt werden. In der Körperarbeit können wir durch Verbinden dieser Zonen den ursprünglichen natürlichen Ausdruck der Energie unterstützen und Blockierungen, die eventuell diesen Ausdruck hindern, auflösen.

Die Gunas

Dieser Begriff stammt aus dem Ayurveda und bezeichnet die Kräfte und deren Eigenschaften, die im Universum wirken. Alles Materielle in der Natur ist aus diesen drei allumfassenden Substanzen oder wesensbestimmenden Eigenschaften zusammengesetzt:

   Sattva, dem Bewusstsein oder klarem Wissen, dem neutralen Prinzip, der Urquelle
   Rajas, der Bewegung, Veränderung oder Handlung, der Expansion
   Tamas, der ihnen widerstehenden Trägheit, der Kontraktion und Kristallisation.

Beim Menschen werden die drei Gunas an seiner psychologischen Konstitution, seinem Temperament und Verhalten deutlich.
In Verbindung mit dem vorherrschenden Element der physischen Konstitution ergeben sich ganz bestimmte Eigenschaften und Merkmale. Zum Beispiel wird ein vom Element Luft dominierter Mensch mit vorherrschend Sattva über eine schnelle Auffassungsgabe verfügen, er ist kommunikativ, anpassungsfähig und flexibel. Rajas in Kombination mit Luft führt zu Nervosität, Rastlosigkeit und Unzuverlässlichkeit. Solche Typen wirken oberflächlich, sprunghaft und verwirrt. Tamas dagegen blockiert und verdunkelt, in Kombination mit Luft führt es zu Ängstlichkeit, zu Hemmungen im Ausdruck und kann im Extremfall einen solchen Menschen unterwürfig, unehrlich und deprimiert erscheinen lassen.
In der Körperarbeit werden daher die drei Gunas je nach Situation und Zustand als Berührungsqualitäten eingesetzt. Sattva, um zu neutralisieren und auszugleichen, diese Anwendungen sind sanft, leicht und raumgebend. Rajas, um zu bewegen, lenken und zu verändern und Tamas als tiefgehende Kontakte, um Blockierungen und Kontraktionen im Energiesystem und im Gewebe zu befreien.
Dr. Stone betonte auch die Rolle einer bewussten und ethischen Lebensweise und deren Einfluss auf die Energien unseres Körpers. Durch Meditation, Selbstreflexion und die Entfaltung von Achtsamkeit können wir unmittelbar eingreifen in seelische und körperliche Verhaltensweisen. Ein klarer Geist wirkt immer gesundheitsfördernd, umgekehrt kann natürlich auch Krankheit und Leid unseren Geist trüben. In Bezug auf die Elemente können wir Ungleichgewichte ausgleichen, indem wir erstarrte, dominante oder zu schwache Elemente in Harmonie bringen oder konkreter, indem wir uns zum Beispiel dort, wo ein zuviel vorhanden ist, zurücknehmen und die Bereiche, die wir gar nicht oder nur wenig leben, stärken.

Konstitution

Ein wesentlicher Aspekt jeder Polarity Behandlung ist das Ermitteln der individuellen Konstitution, sowie das aktuelle Verhältnis der Elemente im Energiesystem.
Die körperliche Konstitution wird größtenteils aus dem Verhältnis der Elemente zum Zeitpunkt der Befruchtung festgelegt. Einen weiteren Einfluss bilden der Zustand von Samen- und Eizelle, die Bedingungen in der Gebärmutter, Ernährung und andere Verhaltensweisen der Mutter während der Schwangerschaft, die Jahreszeit, sowie soziale und gesellschaftliche Einflüsse. Die körperliche Konstitution bleibt im allgemeinen während des ganzen Lebens gleich. Sie ist sozusagen unser Startkapital mit dem wir ins Leben gehen. Körperbau, Beschaffenheit von Haut, Haaren, Zunge und Puls, Stimme und Sprechweise, vorherrschende Emotionen, Schlaf- und Lebensgewohnheiten u.a. geben Aufschluss über die körperliche Konstitution. Die psychologische Konstitution wird ebenfalls bei der Empfängnis aus dem Verhältnis der drei Gunas bestimmt. Sie kann allerdings - als geistiger Faktor - leichter durch Lernen und unser Verhalten beeinflusst werden.

Wirkungsebenen

Die Techniken, die wir einsetzen wirken auf der Ebene der fünf Elemente, auf das Nervensystem und auf die Organfunktionen und die Körperstruktur. Jede Behandlung sollte im Idealfall alle dieser Ebenen ansprechen, wobei wir natürlich auch Schwerpunkte setzen.
So können wir zum Beispiel in einer Sitzung zuerst das Nervensystem ausgleichen, indem wir dem System helfen, vom Sympathikus auf den Parasympathikus umzuschalten. Dies ist besonders wichtig bei Menschen, die unter Stress leiden und nur schwer zur Ruhe kommen. Wir können auf der Ebene der Elemente ausgleichend arbeiten und zum Beispiel mit einer Erde- oder Wasser-Behandlung ein zu viel im Luftelement ausgleichen. Dr. Stone hat aber auch eine Anzahl von spezifischen Techniken entwickelt, die ganz gezielt auf die inneren Organe, auf Knochen und Sehnen und die Muskulatur wirken.
Wesentlich ist, dass wir dabei immer den Menschen als Ganzes erfassen und Polarity Behandlungen nie nach starren Mustern ablaufen, sondern sich aus den individuellen Bedürfnissen der Klienten ergeben. So gesehen, ist jede Sitzung einzigartig und ein kreativer Vorgang, der aus dem Zusammenwirken von Klient und Therapeut entsteht.