Trauma
Trauma wird als unvollständige Antwort des menschlichen
Organismus auf ein überwältigendes Ereignis definiert.
Es entsteht dann, wenn nicht ausreichend Ressourcen vorhanden
sind, um dieses Ereignis zu verarbeiten und zu integrieren.
Die Auslöser können vielseitig sein, ob es zu einer
Traumatisierung kommt, hängt auch von der Konstitution
des Betroffenen und vor allem von den inneren und äußeren
Ressourcen ab. Ein Mensch, der ein schlimmes Ereignis überlebt
hat und danach liebevoll und respektvoll behandelt wird, kann
dieses eher integrieren als jemand, der auf Grund der äußeren
Umstände nicht sicher ist oder mit Schuldzuweisungen konfrontiert
wird. Untersuchungen haben belegt, dass die unmittelbare Zeit
nach einer traumatischen Situation maßgeblich beteiligt
ist an der Entwicklung der Traumasymptomatik.
Traumatherapie
Die sensomotorische Traumatherapie stellt einen neuen, ursprünglich
in den USA entwickelten Ansatz in der therapeutischen Arbeit
mit Schock und Trauma vor.
Die komplexe und oft therapieresistente
Traumasymptomatik verlangt nach einem speziellen Zugang mit
Einbeziehung des Körpers und des vegetativen Nervensystems.
Die Methode ermöglicht – vor allem durch geförderte
sensomotorische Wahrnehmungsfähigkeit der Klienten – dass
die in den Symptomen gebundene Energie freigesetzt und zur
Heilung genutzt werden kann. Die zerbrochenen Verbindungen
zum Selbst, zum Körper und seinem Selbstheilungspotential,
zu den eigenen Ressourcen und Fähigkeiten und zur Gegenwart
werden wieder hergestellt.
Im Gegensatz zu herkömmlichen
Traumatherapien wird dabei vermieden, nochmals in das traumatisierende
Ereignis einzutauchen, weil dies retraumatisierend wäre.
Vielmehr wird die Hyperaktivierung und die Fixierung des gesamten
Organismus auf das traumatische Ereignis vorsichtig aufgelöst.
Die blockierten Überlebensreflexe (Orientierungs-, Kampf/Flucht-,
Totstellreflex) werden regeneriert und der Organismus gewinnt
wieder seine natürliche Flexibilität und interaktive
Selbstregulationsfähigkeit. Im Zuge des Prozesses lernen
die Klienten, sich in ihrem Körper sicher zu fühlen
und den Alltag besser zu bewältigen. Oft können einige
Sitzungen schon erhebliche Verbesserung und Erleichterung der
Symptomatik bewirken.
Die Dynamik von Trauma
Trauma entsteht dann, wenn ein plötzliches überwältigendes
Ereignis auf den Organismus trifft und weder Flucht noch Kampf
möglich sind. Die ersten Reaktionen bei Trauma sind instinktiv,
im Hirnstamm wird eine außergewöhnliche Energiemenge
frei, die uns manchmal unvorstellbare körperliche Leistungen
ermöglicht und oft lebenserhaltend ist.
Ist es dem Organismus
aber nicht möglich diese Ladung
an Energie aufzubrauchen, weil die natürlichen Reflexe
keinen Ausdruck finden, weil flüchten oder kämpfen
nicht möglich sind, so kommt es zu einem Zustand höchster
Erregung gekoppelt mit gleichzeitiger Erstarrung. Die geballte
Ladung an Energie bleibt quasi im Nervensystem stecken und
kann über Jahre zu den vielfältigsten Symptomen führen.
Unruhe, chronische Verspannungen, Angst und Panik, Herzrasen,
Aggression, chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Amnesien,
Depression und vieles mehr können dann die Folge sein.
Starke Traumata gehen auch häufig mit der Abspaltung von
den eigenen Gefühlen (Dissoziation) einher.
Peter Levine ist in seinen Forschungen der Frage nachgegangen,
warum Tiere in freier Wildbahn so gut wie nie traumatisiert
werden, obwohl sie ständigen
Gefahren ausgesetzt sind und er konnte dabei folgende Beobachtung
machen: Ein Beutetier, das Gefahr wittert, wird zuerst einmal
flüchten. Erst wenn der Jäger seine Beute erreicht,
also unmittelbar vor dem herannahenden Tod fällt das Tier
in eine Erstarrung, die einerseits die allerletzte Überlebensstrategie
darstellt, denn tote Beute ist im Tierreich oft uninteressant
und andererseits das Tier in einen veränderten Bewusstseinszustand
bringt, in dem es keinen Schmerz spürt, sollte es dennoch
gefressen werden.
Die Traumadynamik beim Menschen unterscheidet
sich nicht wesentlich davon. Die unwillkürlichen, instinktiven
Bereiche des menschlichen Gehirns sind faktisch identisch
mit den betreffenden Arealen bei den Säugetieren und
Reptilien. Der Schlüssel
zur Heilung von Traumasymptomen liegt daher in unserer Physiologie, ähnlich
einem wildlebenden Tier ist es auch für den Menschen
von großer Wichtigkeit nach dem Abklingen der akuten
Traumasituation wieder aus der Immobilität und Erstarrung
heraus zu kommen und seine volle Bewegungs- und Handlungsfähigkeit
wieder zu gewinnen. Ein Tier, das der Gefahr entkommen ist,
schüttelt
sich heftig ab und geht dann seinen üblichen Tätigkeiten
wieder nach. Durch die meist unbewusste Einmischung unseres
Bewusstseins werden diese natürlichen Reaktionen unterbunden
und die Traumareaktion kann keinen positiven Abschluss finden.
Im menschlichen Organismus bleibt dann die Überladung
im Nervensystem stecken und das oft über Jahre und Jahrzehnte.
So gesehen ist die Traumasymptomatik keine Erkrankung, sondern
ein Versuch des Organismus mit der Überladung des Nervensystems
fertig zu werden. Die Traumatherapie unterstützt den Organismus
dabei, diesen unvollständigen Prozess zu Ende zu bringen.
Terminvereinbarung
Sigrid Wieltschnig, RPP. RPE
Tel: 0664/ 411 04 05
e-mail: info@polarity-center.at
Mehr Infos auch unter: www.sigrid-wieltschnig.com/trauma.htm |