Der therapeutische Ansatz
Die Gestalttheoretische Psychotherapie, begründet und entwickelt
von Hans Jürgen Walter, beruht auf dem Gedankengut der „Berliner
Schule der Gestaltpsychologie“. Sie ist ein erlebnisorientierter,
tiefenpsychologischer und systemtheoretischer Ansatz, der den Menschen
als Ganzheit sieht und die ihm innewohnenden gedanklichen, gefühlsmäßigen
und körperlichen Vorgänge als auf's Engste miteinander
verbunden versteht.
Die therapeutische Situation fördert die differenzierte Wahrnehmung
des Erlebens und Handelns, der Mensch wird als grundsätzlich
fähig erachtet, sein Leben sinnvoll zu gestalten und Störungen
aus inneren Kräften zu überwinden.
Dafür werden eine Vielfalt von Methoden und Interventionstechniken
eingesetzt:
- Das unmittelbare und bewusste Erleben von Körperempfindungen
und Emotionen und die Möglichkeit, ihnen Ausdruck zu verleihen
und sie in das Erleben zu integrieren.
- Die Arbeit mit Träumen, in der Traumteile aktiv dargestellt
und im Rollenspiel einem tieferen Verständnis zugeführt
werden.
- Das Aufstellen von konkreten Situationen aus dem familiären
oder beruflichen Umfeld.
- Die Arbeit mit dem leeren Stuhl, in der es zu Beziehungsklärungen
mit Personen aus dem täglichen Leben kommen kann oder aber
auch zu einem Dialog zwischen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen,
die widerstreitende Kräfte freisetzen und eine sinnvollen
Lebensgestaltung und Entwicklung verhindern.
- Die therapeutische Beziehung, die getragen ist von Wertschätzung
und einer einfühlenden Haltung, und in der neue Einsichten
gewonnen und Verhaltensweisen entwickelt und erprobt werden können.
- Das Einsetzen von Ausdrucksmitteln wie Malen oder Zeichnen.
Die Gestalttheoretische Psychotherapie beschränkt sich also
nicht nur auf das therapeutische Gespräch. Es geht vor allem
um das Integrieren unbewusster, oft abgespaltener und isolierter
Aspekte der Persönlichkeit, indem diese wieder anschaulich
und erlebbar gemacht werden. Dadurch wird auch die Fähigkeit,
sich als Teil einer Gemeinschaft zu verstehen und aus einem Wir-Gefühl
heraus zu handeln gefördert und die soziale Kompetenz und Verantwortlichkeit
werden gestärkt.
Die therapeutische Haltung
Sie beeinflusst maßgeblich die psychotherapeutische Arbeit
und nimmt daher einen wichtigen Stellenwert ein. Die Art und Weise
wie wir einem Menschen begegnen bestimmt zu einem großen Teil
unser Erleben und Handeln. In der Gestalttheoretischen Psychotherapie
orientieren wir uns am erkenntnistheoretischen Modell des Kritischen
Realismus, wonach alles unmittelbar Erlebte, also die phänomenale
Welt, als wirklich zu betrachten ist, jedoch streng unterschieden
wird von der transphänomenalen Welt, die uns nie unmittelbar
gegeben ist, sondern nur in Form von theoretischen Modellen abgebildet
werden kann. In der Praxis heißt das für mich, dass ich
immer bestrebt bin, vorbehaltlos meinen Klienten gegenüberzutreten,
ihre erlebte Wirklichkeit zu achten und zu respektieren, um diese
gemeinsam mit ihnen zu erforschen. Dabei verstehe ich mich nicht
als Expertin sondern als Begleiterin, die für angemessene Rahmenbedingungen
sorgt, damit Einsicht und Verstehen möglich werden und somit
die Voraussetzungen für sinnvolle Veränderungen gegeben
sind.
Das Menschenbild
Das Menschenbild der Gestalttheoretischen Psychotherapie ist geprägt
von einer tiefen Achtung allem Lebendigen gegenüber und der
Überzeugung, dass der Mensch mit den notwendigen Anlagen für
eine erfolgreiche Bewältigung des Lebens ausgestattet ist.
Die „Tendenz zur guten Gestalt“ befähigt uns zur
spontanen Selbstorganisation und Selbstregulation, also dazu, situationsgemäß
ein Gleichgewicht aus inneren Kräften herzustellen und einen
Zustand innerer Ordnung zu finden, ohne dass dafür Eingriffe
von außen notwendig sind. In der therapeutischen Arbeit geht
es daher oft darum, Barrieren und Hindernisse, die dieser Tendenz
entgegenwirken, zu erkennen und aufzulösen.
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